„Bewahr‘ uns, lieber Herre Gott,
vor Pestilenz und Kriegesnot,
vor Mißwachs, Hagel, Feuersbrunst
und vor der offiziellen Kunst!“
Ludwig Fulda, Stoßgebet
„Betrachten wir uns das deutsche Musikleben, so müssen wir einsehen, daß es nichts Besonderes hervorbringt. Woran krankt es?
An der staatlichen Institutionalisierung.
Es ist das gleiche Phänomen wie wir es beim Kommunismus beobachtet haben: die öffentliche Hand ergriff die Zügel von Wirtschaft und Kunst – und was kam heraus? Nichts.
In der Kunst fiel es nur nicht so auf. Aber in der Wirtschaft trat die staatliche Einflußnahme unbestechlich in den Bilanzen zutage: die kommunistischen Länder waren bankrott.
Der Staat mit seiner Funktionärs- und Cliquenwirtschaft kann nur eine mittelmäßige Leistung erbringen, und in der Wirtschaft fällt dies am schnellsten auf.
Den gleichen Fall haben wir aber auch im deutschen klassischen Musikleben vor uns: Alle strategisch wichtigen Stellen sind mit staatlichen Institutionen besetzt, die dort beschäftigten Personen werden vom Staat bezahlt, und so bestimmt schließlich der Staat über jene skurrilen Prüfungsordnungen und -maßstäbe, was klassische Musik ist bzw. zu sein hat.
Ein Haufen Eunuchen kann kein Kind zeugen, das weiß jeder – sollte man meinen. Und ein normaler Mann kann sehr viele Kinder zeugen.
Daß das gleiche aber auch genausogut in der Kunst gilt und besonders: in der Musik – daß das Mittelmäßige, das Gewöhnliche nicht das Außergewöhnliche hervorbringen kann –, das will von den staatlich finanzierten Musikexperten, wohl aufgrund ihrer eigenen Bezahlung, keiner wahrhaben.
Die vom Staat eingerichteten Musikinstitutionen, seien es Bildungseinrichtungen oder irgendwelche vermeintliche Fördereinrichtungen, beruhen in ihrer Funktion geradezu auf dem künstlerisch Mittelmäßigen. Kein wirklich inspirierter Künstler – sei er Komponist oder auch Interpret – würde sich dazu verkaufen, je ein beim Staat angestellter Professor zu werden.
Und ein wirklich begabter Künstler würde sich nie einbilden, irgendeinen Schüler künstlerisch irgend etwas lehren zu können.
Die Existenz des künstlerischen Lehramtes offenbart mir die gleiche Vermessenheit, mit der manche Technokraten durch irgendwelche Patente und Produkte der Natur unter die Arme greifen zu müssen glauben.
Künstlerisches Talent ist einzig und allein eine Sache der Natur bzw. des Schöpfers – so wie das Schaffen großer Kunstwerke nur mit Hilfe der Natur möglich ist und nur unter direkter Anleitung des Schöpfers.
Die Idee des künstlerischen Lehrfachs in der Musik erscheint mir wie reiner Hohn gegenüber der Natur und ihrem Schöpfer und hat den gleichen Wert wie in der Religion der Atheismus.
„Könige können wohl Professoren machen und Geheimräte und Fürsten, und Titel und Ordensbänder umhängen, aber große Menschen können sie nicht machen, Geister, die über das Weltgeschmeiß hervorragen, das müssen sie wohl bleiben lassen zu machen, und damit muß man sie in Respekt halten. Wenn so zwei zusammenkommen wie ich und der Goethe, da müssen diese großen Herren merken, was bei unser einem als groß gelten kann.“
Beethoven
Weil das Mittelmäßige diese schlichte Wahrheit nicht kennt oder ignoriert, deswegen wirkt es mit bei der staatlichen Etablierung von Institutionen, die mit institutioneller staatlicher Gewalt das Feld der Kunst an sich reißen, dort ihre mittelmäßigen Maßstäbe etablieren, und dann aus voller eigener begrenzter Überzeugung das Außergewöhnliche in der Kunst bzw. den von der Natur in der Kunst vorgesehenen Künstler professionell verhindern.
Aus diesem Grunde scheint es mir im Interesse der Musik sinnvoll, alle staatlichen Musikinstitutionen zu schließen oder sie für den normalen Markt freizugeben – wo nur der Tüchtigere ohne alle staatliche Reglementierung überlebt.
Und das ganze Mittelmäßige, welches bisher mit Hilfe öffentlicher Gelder als eine Art Diktatur des Mittelmäßigen sich anmaßte, öffentlich den Ton anzugeben, kann in jene künstlerische Bedeutungslosigkeit zurücksinken, von wo es über staatlichen Einfluß und politische Beziehungen ins öffentliche Musikleben hochgekrochen ist.
„Der Mann, der nicht Musik hat in ihm selbst,
den nicht die Eintracht süßer Töne rührt,
taugt zu Verrat, zu Räuberei und Tücken.
Die Regung seines Sinns ist dumm wie Nacht,
sein Trachten düster wie der Erebus.
Trau keinem solchen!“
Shakespeare
Öffentliche Förderungsmaßnahmen unter staatlicher Leitung sind sicherlich bei geistig und körperlich Behinderten eine sinnvolle Entscheidung – beim Musikbegabten erweisen sie sich in bezug auf die Begabung aber als geradezu zersetzend.
„Gedanken ohne Inhalt
sind leer,
Anschauungen ohne Begriffe
sind blind.“
Kant
Wieviel Arroganz liegt jenem System zugrunde, wo die mittelmäßige Begabung sich anmaßt, den überdurchschnittlich Begabten fördern zu können oder zu wollen.
Staatliche Einrichtungen und die dort angestellten Menschen, die vorgeben, Musikbegabte zu fördern, können allenfalls mittelmäßig Begabte mit dem Mäntelchen zwielichter Anerkennung zu Abhängigen machen.
„Je weniger Ausbildung,
je mehr Einbildung.“
Sprichwort
Das gilt bis in jene Gremien und Ausschüsse bei den Musikwettbewerben hinein.
Sie alle produzieren nur das Ideal ihrer eigenen Mittelmäßigkeit – auch wenn sie sich noch als Alibi hier und da einen anerkannten Künstler gegen gutes Honorar dazuangeln.
„Ein hungriger Bauch
hat keine Ohren.“
Sprichwort
Alle diese von der öffentlichen Hand finanzierten und abhängigen Einrichtungen schaden dem natürlichen Musikleben, denn sie verhindern den Fluß natürlicher Kreativität im Musikleben.
„Die klügsten Fische
treibt der Hunger
an die Angel.“
Goethe
Sie dienen nur dem Ehrgeiz sowie dem Geldbeutel verblendeter Musikfachleute, welche von der höheren Inspiration des Künstlers, von der Macht der Natur und von dem Wirken des Schöpfers keinen blassen Schimmer haben.
Diese Würdenträger des gegenwärtigen deutschen Musiklebens sind die arroganten Atheisten im Musikleben.
„Viele sind berufen,
aber wenige sind auserwählt.“
Matthäus 20, 16