Classic-Life

Archetypisches Hochschulstudium
des Klassischen Komponisten

JOURNALIST: Herr Hübner, wenn ich Ihren Werdegang betrachte, interessiert mich eine Frage besonders: wie stehen Sie zum Musikunterricht und speziell zum Kompositionsunterricht an einer Musikhochschule?

PETER HÜBNER: Hören Sie sich einmal an, was Beethoven hierzu sagt:

„... ohne mich Ihnen im mindesten als ein Meister vorstellen zu wollen, kann ich Ihnen versichern, daß ich in einem kleinen unbedeutenden Orte gelebt und fast alles, was ich dort als hier geworden bin, nur durch mich selbst geworden bin ...“ Beethoven

Das gleiche gilt für alle großen Klassischen Tonschöpfer. Verdi flog sogar als unfähig von der Akademie, die dann später sogar nach ihm benannt wurde. Brahms

Meines Erachtens ist der Kompositionsunterricht – so wie er offiziell an der Musikhochschule vorgesehen ist – reiner Schwachsinn. So kann man nur das Mittelmäßige fördern. Und was wird aus diesem Mittelmäßigen?

Im „Idealfall“ ein Kompositionsprofessor, ein Musikprofessor oder der Leiter einer Musikabteilung an einer Rundfunk- bzw. Fernsehanstalt oder der Redaktion in einer Zeitung oder ein Dirigent usw.

Ich will damit nicht sagen, daß alle Kompositionsprofessoren Nieten sind.

In Bernd Alois Zimmermann, Herbert Eimert und einigen anderen sehen wir ja ganz deutlich, daß es hervorragende Kapazitäten sein können.

JOURNALIST: Sie studierten Musik in Köln an der Musikhochschule bei Zimmermann Komposition. Wie sah dieser Unterricht aus?

PETER HÜBNER: Einmal in der Woche traf ich Professor Zimmermann in einem netten Café in der Aachener Straße – nicht weit von seiner Wohnung. In der Ecke der spanisch anmutenden Taverne saßen wir uns am Tisch gegenüber – er mit einer kleinen Flasche Pikkolo und ich mit einem Glas Tee, und sprachen über philosophische Grenzfragen bis in den Bereich der Musik hinein.

Der Ansatz unserer Gespräche war aber niemals die Musik, sondern immer die Philosophie. Für uns beide war die Musik immer nur Mittel zu dem Zweck, anderen Menschen philosophische Ideen näherzubringen, die man über Worte allein nicht näherbringen kann.

Es wurde hier keine einzige Note genannt oder gar aufgezeichnet oder erörtert, sondern es ging ganz allgemein um die Bedeutung und den Nutzen von Musik im Bereich der Welterkenntnis.

Bernd Alois Zimmermann war ein Mensch von ungeheurer philosophischer Reichweite, und seine große musikalische Reichweite war nur der Ausdruck dieser geistigen Reichweite – also deren Wirkung, aber nicht ihre Ursache. Die Fachleute um ihn herum sahen, soweit ich das beurteilen kann, immer nur seine Musik, aber nicht das, was ihn innerlich bewegte und als philosophisches Konzept seiner Musik zugrundelag.

So habe ich bei ihm zwar keinen Musikunterricht im üblichen Sinne erhalten, aber möglicherweise hat er den würdigsten Musikunterricht erteilt, den es gibt. Er hat sich mir gegenüber zu den geistigen und philosophischen Grundlagen seines musikalischen Schaffens geäußert und dies sehr tief und weitreichend.

Er war weltoffen gerade auch im Bereich der transzendenten philosophischen Fragestellungen. Er war ein sehr ernster Komponist – im Gegensatz zu oberflächlich, ich habe ihn nie oberflächlich lachen gesehen –, aber er verfügte über die natürliche innere Heiterkeit eines ernsten Menschen.




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Archetypisches Hochschulstudium
des Klassischen Komponisten

JOURNALIST: Herr Hübner, wenn ich Ihren Werdegang betrachte, interessiert mich eine Frage besonders: wie stehen Sie zum Musikunterricht und speziell zum Kompositionsunterricht an einer Musikhochschule?

PETER HÜBNER: Hören Sie sich einmal an, was Beethoven hierzu sagt:

„... ohne mich Ihnen im mindesten als ein Meister vorstellen zu wollen, kann ich Ihnen versichern, daß ich in einem kleinen unbedeutenden Orte gelebt und fast alles, was ich dort als hier geworden bin, nur durch mich selbst geworden bin ...“ Beethoven

Das gleiche gilt für alle großen Klassischen Tonschöpfer. Verdi flog sogar als unfähig von der Akademie, die dann später sogar nach ihm benannt wurde. Brahms

Meines Erachtens ist der Kompositionsunterricht – so wie er offiziell an der Musikhochschule vorgesehen ist – reiner Schwachsinn. So kann man nur das Mittelmäßige fördern. Und was wird aus diesem Mittelmäßigen?

Im „Idealfall“ ein Kompositionsprofessor, ein Musikprofessor oder der Leiter einer Musikabteilung an einer Rundfunk- bzw. Fernsehanstalt oder der Redaktion in einer Zeitung oder ein Dirigent usw.

Ich will damit nicht sagen, daß alle Kompositionsprofessoren Nieten sind.

In Bernd Alois Zimmermann, Herbert Eimert und einigen anderen sehen wir ja ganz deutlich, daß es hervorragende Kapazitäten sein können.

JOURNALIST: Sie studierten Musik in Köln an der Musikhochschule bei Zimmermann Komposition. Wie sah dieser Unterricht aus?

PETER HÜBNER: Einmal in der Woche traf ich Professor Zimmermann in einem netten Café in der Aachener Straße – nicht weit von seiner Wohnung. In der Ecke der spanisch anmutenden Taverne saßen wir uns am Tisch gegenüber – er mit einer kleinen Flasche Pikkolo und ich mit einem Glas Tee, und sprachen über philosophische Grenzfragen bis in den Bereich der Musik hinein.

Der Ansatz unserer Gespräche war aber niemals die Musik, sondern immer die Philosophie. Für uns beide war die Musik immer nur Mittel zu dem Zweck, anderen Menschen philosophische Ideen näherzubringen, die man über Worte allein nicht näherbringen kann.

Es wurde hier keine einzige Note genannt oder gar aufgezeichnet oder erörtert, sondern es ging ganz allgemein um die Bedeutung und den Nutzen von Musik im Bereich der Welterkenntnis.

Bernd Alois Zimmermann war ein Mensch von ungeheurer philosophischer Reichweite, und seine große musikalische Reichweite war nur der Ausdruck dieser geistigen Reichweite – also deren Wirkung, aber nicht ihre Ursache. Die Fachleute um ihn herum sahen, soweit ich das beurteilen kann, immer nur seine Musik, aber nicht das, was ihn innerlich bewegte und als philosophisches Konzept seiner Musik zugrundelag.

So habe ich bei ihm zwar keinen Musikunterricht im üblichen Sinne erhalten, aber möglicherweise hat er den würdigsten Musikunterricht erteilt, den es gibt. Er hat sich mir gegenüber zu den geistigen und philosophischen Grundlagen seines musikalischen Schaffens geäußert und dies sehr tief und weitreichend.

Er war weltoffen gerade auch im Bereich der transzendenten philosophischen Fragestellungen. Er war ein sehr ernster Komponist – im Gegensatz zu oberflächlich, ich habe ihn nie oberflächlich lachen gesehen –, aber er verfügte über die natürliche innere Heiterkeit eines ernsten Menschen.