Classic-Life

Die Gerüstszene der deutschen Musikszene und die Wiederherstellung
der natürlichen Ordnung im deutschen Musikleben
– Fortsetzung


In der heutigen Zeit großer individueller, sozialer und ökologischer Krisen ist es für uns alle wichtig und sinnvoll, daß wir uns überall auf das Natürliche besinnen, uns in unserem Denken und Handeln von unnatürlichen Gewohnheiten verabschieden und die Naturgesetze achten und respektieren. Dies gilt besonders auch für das Musikleben.

„Was gegen die Natur ist,
das ist gegen Gott.“

Hebbel

Die Wohlanständigkeit muß insofern auch in der Praxis der klassischen Musik unter dem Gesichtspunkt der Natürlichkeit neu definiert werden.

Zur Zeit Hitlers waren die Nazis die offiziell Angesehensten – unter staatlicher Oberhoheit, zur Zeit Stalins waren es die Kommunisten – unter staatlicher Oberhoheit usw. usw.

Überhaupt ist alles,
was man Wohlanständigkeit nennt,
von derselben Art,
nämlich nichts als schöner Schein.

Kant

Es ist also nicht die staatliche Institution, welche in der Kunst und besonders in der Musik als der Maßstab aller Dinge angesehen werden kann.

Und ich bin froh, heute in unserer Zeit der allgemeinen demokratischen Bemühungen so etwas ohne Gefahr aussprechen zu können.

„Die Natürlichkeit
ist nicht nur das Beste,
sondern auch das Vornehmste.“

Th. Fontane

Immer größere Strömungen im Volksbewußtsein bemühen sich heute darum, der Macht der Natur über der Macht des Staates einen höheren Rang einzuräumen und das staatliche Gefüge irgendwie in das Gefüge der Natur zu integrieren.

„Wo die Natur nicht will,
ist die Arbeit umsonst.“

Seneca

Warum soll das deshalb nicht auch der richtige Zeitpunkt sein, das Entsprechende mit dem deutschen Musikleben zu tun und auch hier der Natur offiziell die höhere Autorität einzuräumen – denn nur sie erbringt ja ohnehin auch in der Musik die Leistung, indem sie den Künstler mit der Begabung versieht.

„So übt Natur
die Mutterpflichten.“

Schiller

Das gegenwärtige offizielle, über staatliche Institutionen und staatliche Gelder reglementierte öffentliche Musikleben täuscht die Eltern des Musikbegabten in einer für den Musikbegabten sehr gefährlichen Weise: sie gibt vor, ihn in seiner Begabung fördern zu können und ihm die Kanäle für die spätere Berufsausübung zu öffnen.

„Große Talente
kommen von Gott,
geringe vom Teufel.“

Hebbel

Aber insoweit als dieses Vortäuschen nicht Dummheit ist, ist es Betrug. Denn die ganzen staatlichen Ausbildungs- und Förderungsmaßnahmen konzentrieren sich nur darauf, das ideale Mittelmäßige zu erzeugen oder das Außergewöhnliche mit staatlicher Hoheit, mit Ämtern und staatlicher Würde auf das Mittelmäßige zurück zu führen.

„Es lastet auf dieser Zeit
der Fluch der Mittelmäßigkeit.“

Tucholsky

Nur dazu dienen in der Kunst überhaupt Titel, Ämter, Würdenträger: um die Allgemeinheit über das Mittelmäßige hinweg zu täuschen und das Außergewöhnliche auf das Gewöhnliche zu reduzieren oder deutlicher: auf das Ordinäre zu beschränken.

Ich kann den Steuerzahlern bzw. den für die Staatsfinanzen Verantwortlichen im Interesse der wahren Werte der Musik und im Interesse der Zukunft der Musik nur dringend raten, alle öffentlichen Einrichtungen des Musiklebens zu „privatisieren“, also nicht weiter zu finanzieren, sondern dem öffentlichen Wettbewerb auszuliefern, wie dies z. B. auch mit den ehemaligen staatlichen Betrieben der bankrotten DDR geschehen ist.

Es müßte so etwas geschaffen werden wie jene Treuhandgesellschaft, das die staatlichen Einrichtungen oder vom Staate finanzierten Organisationen des Musiklebens genauso „abwickelt“ und „privatisiert“ wie das mit den Staatsbetrieben der DDR geschehen ist, die unter kommunistischer Leitung nicht funktioniert hatten und bei denen der aufgeklärte Wirtschaftsfachmann wußte, daß sie auch unter westlicher staatlicher Leitung genauso wenig funktionieren würden.

„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines andern zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen.
Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.“

Kant

Das Entsprechende gilt für jene Kuratorien, Ausschüsse und Räte des deutschen Musiklebens, soweit sie sich aus dem Staatshaushalt finanzieren.

„Der Mangel an Urteilskraft ist eigentlich das,
was man Dummheit nennt,
und einem solchen Gebrechen
ist gar nicht abzuhelfen.“

Kant

Was interessiert das monatliche Einkommen einzelner Kuratoriumsmitglieder oder Professoren – die es ohnehin auf andere Weise sehr viel rechtschaffener verdienen könnten –, wenn es um das ethische Anliegen und den wahren Wert der Musik geht.

„Bescheidenheit
ist die Mäßigung
seiner Ansprüche
durch billigere Ansprüche
anderer.“

Kant

Ich bin wohl heute der einzige im deutschen Musikleben, der so seine Stimme erheben kann. Und ich bin darauf keineswegs stolz, sondern ich bin darüber betrübt, daß nicht mehr wie ich durchgekommen, sondern irgendwo in staatlichen Maßnahmen steckengeblieben sind und dort als Professoren oder Würdenträger ihre Begabung und Kreativität aushauchen.

„Alles Gute,
das nicht auf moralisch
gute Gesinnung gepropft ist,
ist nichts als Schein
und schimmerndes Elend.“

Kant

Der deutsche Staat verschleudert über fragwürdige Organisationen zur angeblichen Musikförderung jährlich Milliarden.

„Was will ich?“
fragt der Verstand.
„Worauf kommt es an?“
fragt die Urteilskraft.
„Was kommt heraus?“
fragt die Vernunft.“

Kant

Sicherlich bleiben dabei hohe Summen bei den Musikfunktionären und irgendwelchen Wirtschaftsunternehmen aus dem Felde der Musik hängen – was mir aber noch als der harmlosere Teil dieser makabren Inszenierung erscheint.

„Habe Mut,
dich deines eigenen
Verstandes zu bedienen!“

Kant

Der eigentliche Schaden wird dann jedoch von diesen Musikfunktionären mit dem Restgeld dort angerichtet, wo ihre vor Inkompetenz strotzenden Musikmaßnahmen die Begabten zu Behinderten machen und die natürliche musikalische Kreativität zersetzen.

„Der Damm zerreißt,
das Feld erbraust,
Die Fluten spülen,
die Fläche saust.“

Goethe

In einer Zeit, in der in Deutschland ökologische Mißstände immer mehr erforscht, aufgezeigt, öffentlich angeprangert und beseitigt werden, wo politische Korruption aufgedeckt, öffentlich angeprangert, verfolgt und beseitigt wird, sollten auch im deutschen Musikleben die entsprechenden Mißstände von den wirklichen Musikliebhabern aktiv angegangen werden.“

„Ein kleiner Anfang, der aber
Epoche macht, indem er der
Denkungsart eine ganz neue
Richtung gibt, ist wichtiger
als die ganze unabsehliche
Reihe von darauffolgenden
Erweiterungen der Kultur.“

Kant




Classic-Life

Die Frage nach dem
Sinn und Zweck des Lebens

JOURNALIST: Herr Hübner, aus Ihren Büchern entnehme ich, daß Sie auch im Felde der sinfonischen Musik ganz neue Ansichten vertreten. Was können Sie uns hierzu sagen?

PETER HÜBNER: Nach „Gesang des Lebens“ begann ich mit meinem sinfonischen Schaffen, und ich habe auch hier das ethische Anliegen der großen klassischen Tonschöpfer aufgegriffen.

Die Sinfonie zählt zur sogenannten „Absoluten Musik“. Entgegen den Vorstellungen eines großen Teils der Fachwelt handelt es sich bei den Werken unserer großen klassischen Tonschöpfer – soweit sie dem Bereich der Absoluten Musik zuzuzählen sind – keinesfalls um eine von der menschlichen Evolution losgelöste Musik, welche vielleicht auch noch um ihrer selbst willen betrieben wird, sondern wir haben hier eine ideale Sprache vor uns, das Lebensfeld der inneren Menschenkräfte gefühls- und verstandesmäßig zu beschreiben bzw. darzustellen.

Somit gehört diese Musik wesensmäßig in den Bereich der Philosophie oder der Lebenskunst – wo sie sich dann auch mit der religiösen Musik verbindet.

Ihren bisher höchsten Ausdruck findet diese Art Absolute Musik, welche die Menschenwürde zum alleinigen Thema hat, in der Sinfonie, und hier besonders bei Haydn, Mozart und Beethoven, welche sich ja bekanntlich nicht vorrangig der Musik, sondern der Wahrheit verpflichtet fühlten und die Musik als das beste ihnen bekannte Mittel ansahen, die Wahrheit auf der Ebene des Gefühls und des Verstandes auszudrücken.

Und diese beiden Hauptmenschenkräfte Gefühl und Verstand sind dann die Eckpfeiler des sinfonischen Schaffens unserer großen Tonschöpfer für ihre musikalische Evolution natürlicher Menschenwürde.

Während sich die Universitäten, Schulen und offiziellen Bildungseinrichtungen dem Erlernen äußerer Fertigkeiten widmen, sahen es die großen klassischen Tonschöpfer als ihre heilige Pflicht an, den Menschen im Gebrauch seiner inneren Fähigkeiten auszubilden – ihm seine inneren Menschenkräfte als solche vorzustellen, ihn in der Unterscheidung seiner inneren Menschenkräfte zu unterrichten und ihn im ausgewogenen erfolgreichen Gebrauch seiner inneren Fähigkeiten zu schulen.

JOURNALIST: Sie arbeiten an einem Zyklus von mehreren Sinfonien, deren erste die Sonnen Sinfonie ist. Welche anderen Sinfonien sind Teil dieses Zyklus?

PETER HÜBNER: Es werden insgesamt neun Sinfonien sein: die Sonnen Sinfonie, die Mond Sinfonie und die Sternen Sinfonie sowie die fünf Sinfonien der Erde, des Wassers, des Feuers, der Luft und des Raumes. Diese acht Sinfonien finden ihre gemeinsame Basis in der neunten Sinfonie, der Sinfonie des Lebens.

In diesen neun Sinfonien will ich entsprechend den Regeln der klassischen Sinfonie das komplexe Spiel der inneren und äußeren Naturkräfte im Leben des Menschen darstellen und dabei auch der musikalischen Handwerkskunst neue Türen öffnen.

Ich bemühe mich in diesem Zyklus also entsprechend den Regeln der klassischen Sinfonie musikalisch um eine Darstellung des Feldes innermenschlicher Entwicklung. Insofern: Grundsätzlich nichts Neues!